OSPAR-Offshore-Daten im Langzeitcheck: Warum Anlagen-IDs nicht zuverlässig über Jahre bestehen bleiben

19. September 2026

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Stephan Graf Mueller

Eine neue Untersuchung von Stephan Graf Mueller zeigt, dass die Kennnummern im OSPAR-Verzeichnis für Offshore-Anlagen über die Jahre mehrfach geändert, neu zugeordnet oder nur formal umgeschrieben wurden. Für historische Auswertungen ist das wichtig: Wer verschiedene Jahrgänge einfach über die veröffentlichte ID miteinander verbindet, kann Anlagen falsch zuordnen.

Für die Studie wurden acht öffentlich zugängliche Fassungen des OSPAR-Offshore-Registers aus den Jahren 2001, 2003, 2005, 2007, 2009, 2011, 2013 und 2023 miteinander verglichen.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die veröffentlichten Anlagen-IDs sind nicht durchgehend als dauerhafte Schlüssel geeignet.

Besonders deutlich zeigt sich das bei mehreren Übergängen. Zwischen 2001 und 2003 änderte sich bei allen 703 eindeutig zugeordneten Fällen die veröffentlichte ID. Zwischen 2005 und 2007 waren 676 von 1.098 eindeutig wiedererkannten Anlagen betroffen. Und zwischen 2009 und 2011 änderte sich bei 218 von 219 eindeutig zugeordneten norwegischen Anlagen die Kennnummer.

Warum das mehr als ein technisches Detail ist

Solche Änderungen sind problematisch, sobald Daten aus mehreren Jahren zusammengeführt werden.

Ein einfaches Beispiel: Wenn eine Anlage 2009 die ID NO1 trägt und 2011 dieselbe ID wieder auftaucht, könnte man annehmen, es handle sich weiterhin um dieselbe Anlage.

Genau das muss aber nicht stimmen.

Im Vergleich 2009–2011 tauchten 99,3 Prozent der früheren ID-Werte irgendwo wieder auf. Trotzdem waren 437 dieser IDs anschließend einem anderen normalisierten Anlagen-Namen zugeordnet.

Das bedeutet: Eine ID kann weiter existieren, obwohl sie inzwischen für eine andere Anlage verwendet wird.

Für historische Auswertungen ist das ein erheblicher Unterschied.

Drei verschiedene Dinge, die leicht verwechselt werden

Die Untersuchung trennt deshalb drei Ebenen, die in Datensätzen oft vermischt werden:

1. Die Schreibweise einer ID
Beispiel: DE3 wird zu DE03.

2. Die administrative Kennnummer
Beispiel: Eine Anlage erhält tatsächlich eine neue Nummer.

3. Die Anlage selbst
Die physische oder administrative Entität kann dieselbe bleiben, obwohl sich ihre Kennnummer ändert.

Gerade der Vergleich zwischen 2013 und 2023 zeigt, warum diese Trennung wichtig ist. Von 1.002 zunächst unterschiedlich aussehenden IDs waren 576 lediglich Formatänderungen, vor allem durch führende Nullen. 426 Fälle blieben als tatsächliche inhaltliche Umnummerierungen übrig.

Eine rein technische Zeichenkettenanalyse würde also einen großen Teil der Änderungen falsch bewerten.

Der auffälligste Fall im Datensatz 2023

Im OSPAR-Datensatz von 2023 tritt außerdem die Kennung NO0 insgesamt 434-mal auf.

Damit kann dieser Wert offensichtlich nicht als eindeutige Anlagen-ID verwendet werden.

Im von uns erstellten Crosswalk tragen 111 verschiedene Forschungsentitäten im Jahr 2023 die Kennung NO0. Für historische Verknüpfungen ist dieser Wert deshalb ausdrücklich ungeeignet, wenn er allein verwendet wird.

Deshalb haben wir zusätzlich einen Crosswalk veröffentlicht

Die Untersuchung sollte nicht nur ein Problem beschreiben.

Deshalb wurde parallel ein eigener Datensatz erstellt:

OSPAR Offshore Installations Identifier Crosswalk and Supplementary Data, 2001–2023

Dieser Crosswalk enthält 1.750 konservativ verknüpfte Forschungsentitäten, die in mindestens zwei der untersuchten OSPAR-Snapshots eindeutig wiedererkannt werden konnten.

Für jede dieser Entitäten lässt sich nachvollziehen, welche ID sie in den jeweiligen untersuchten Jahrgängen trug.

Der Datensatz ist damit vor allem für Forschende und Datenanalysten gedacht, die historische OSPAR-Daten über längere Zeiträume vergleichen wollen.

Was sich daraus ableiten lässt

Die Studie betrifft konkret Offshore-Anlagen im OSPAR-Gebiet. Das methodische Problem ist jedoch allgemeiner.

Viele Behörden und internationale Organisationen veröffentlichen Daten in regelmäßigen Versionen oder Jahresständen. Solche Datensätze werden später häufig so benutzt, als würden ihre IDs dauerhaft dieselben Objekte bezeichnen.

Das kann falsch sein.

Für belastbare Langzeitanalysen sollte deshalb immer geprüft werden:

  • Bleibt die ID über Versionen hinweg stabil?
  • Wird dieselbe ID später für etwas anderes verwendet?
  • Handelt es sich nur um eine andere Schreibweise?
  • Gibt es Platzhalter oder mehrfach verwendete Kennungen?
  • Muss die tatsächliche Entität über Name, Ort oder externe Register abgeglichen werden?

Die OSPAR-Untersuchung zeigt damit ein Grundproblem versionierter Verwaltungsdaten:

Eine eindeutige Kennnummer innerhalb eines Datensatzes ist noch kein Beweis dafür, dass sie über viele Jahre dieselbe Entität bezeichnet.

Originalpublikation und Daten

Paper
Identifier Persistence and Version Consistency in the OSPAR Offshore Installations Inventory, 2001–2023
Stephan Graf Mueller · Altamarin Verlag Research
DOI: 10.5281/zenodo.22829555

Datensatz und Crosswalk
OSPAR Offshore Installations Identifier Crosswalk and Supplementary Data, 2001–2023
DOI: 10.5281/zenodo.22827627

Autor
Stephan Graf Mueller – Autorenseite beim Altamarin Verlag
ORCID-Profil 0009-0000-8167-3079

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