Petra Lüders: Warum ein guter Eindruck ihre Erschöpfung verdeckt

30. September 2026

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Stephan Graf Mueller

Petra Lüders führt einen Friseursalon und kennt die freundliche Stimme, mit der man einen weiteren Termin möglich macht. In Der Altstadtdoktor – Zeichen benutzt sie diese Stimme sogar unmittelbar nach ihrem Praxisbesuch. Dabei hat sie Johannes Falk gerade erzählt, wie schwer ihr der Arbeitsalltag inzwischen fällt.

Wenn andere schon eine Erklärung haben

Beim ersten Gespräch vermutet Petra, man werde ihr vor allem Urlaub empfehlen. Ihr Umfeld hat die Lage bereits eingeordnet: mehr schlafen, weniger arbeiten, andere Prioritäten setzen. Die Vorschläge treffen auf eine Frau, die täglich aufschließen, Termine organisieren und Kunden informieren muss.

Sarah Wagner gibt Petra konkrete Beobachtungen mit. Sie hat Termine verschoben und sich zwischen zwei Haarschnitten in den hinteren Raum gesetzt. Eine Kundin hält ihre Hautfarbe für ein Zeichen guter Erholung. Petra war jedoch nicht im Urlaub. So entstehen in derselben Situation zwei verschiedene Geschichten: die ihrer Erfahrung und die des Eindrucks, den sie auf andere macht.

Die Tasche auf dem Schoß

Im Sprechzimmer legt Petra beide Hände auf ihre Tasche. Ihre Antworten wechseln zwischen Beschwerden und Salonalltag. Sobald das Gespräch medizinisch wird, spricht sie schneller. Johannes hört zu und fragt nach, ohne ihr eine fertige Erklärung zu versprechen.

Petra möchte nicht ständig rechtfertigen müssen, warum ihre Kraft nachlässt. Besonders deutlich wird das an ihrem Wunsch, bei einem Familienessen wieder länger bleiben zu können. Der Salon bestimmt ihre Tage, doch das Gespräch zeigt auch, was ihr außerhalb der Arbeit fehlt.

Die freundliche Stimme funktioniert weiter

Als Petra zu Mara hinausgeht, denkt sie bereits über einen freien Termin für eine Kundin nach, die eine Hochzeit hat. Diese kleine Rückkehr in ihre Berufsrolle trägt die Szene. Die Erwartungen hören nach einem Gespräch nicht auf, und ein geübter Umgangston kann weiter funktionieren, während die Person dahinter erschöpft ist.

Der Artikel bleibt beim ersten Praxisbesuch; die spätere medizinische Auflösung wird nicht vorweggenommen. Schon der Auftakt zeigt, wie genau der Roman auf Sätze, Pausen und Gesten achtet. Petra wird als Mensch mit Arbeit, Bindungen und eigenen Wünschen sichtbar.

Ihre Geschichte gehört zu Der Altstadtdoktor – Zeichen von Sarah Wagner. Den Zusammenhang mit Bleiben und Vertrauen erklärt die Lesereihenfolge der Romanreihe.

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