Königsdamm und St. Petri: Wo Ratzeburgs dänische Zeit sichtbar bleibt

30. September 2026

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Stephan Graf Mueller

Wer in Ratzeburg über den Königsdamm fährt, nutzt ein Bauwerk aus der Zeit, in der der König von Dänemark zugleich Herzog von Lauenburg war. Andere Orte, die mit dieser Epoche verbunden sind, wurden viel früher errichtet. Gerade dieser Unterschied macht einen Stadtrundgang historisch interessant.

Der Königsdamm: ein Bau der dänischen Zeit

Die frühere Holzbrücke zur Inselstadt genügte einer neuen Chaussee nicht mehr. Von 1842 bis 1847 entstand deshalb ein Damm durch den See. Als König Friedrich VII. Ratzeburg 1854 besuchte, erhielt er den Namen Königsdamm. Das Stadtarchiv Ratzeburg dokumentiert Bauzeit und Benennung. Hier treffen ein bis heute genutzter Weg und ein konkreter Herrscherbesuch unmittelbar aufeinander.

St. Petri und die Huldigung von 1816

In der St.-Petri-Kirche kamen Vertreter des Herzogtums 1816 zur Erbhuldigung für den neuen Landesherrn zusammen. Eine solche Zeremonie machte den politischen Übergang vor Ort sichtbar: Menschen erschienen, anerkannten die Herrschaft und bestätigten damit eine Ordnung, die zuvor in Verträgen verhandelt worden war. Nach der Darstellung im Buch stiftete Friedrich VI. der Kirche später ein Antependium.

Die Kirche selbst entstand nicht erst unter dänischer Herrschaft. Sie ist ein älterer Ort, der in dieser Zeit eine belegte Rolle spielte. Wer nach Spuren sucht, sollte deshalb zwischen einem Bau aus der Epoche und einem älteren Schauplatz der Epoche unterscheiden.

Markt, Rathaus und ältere Verkehrswege

Am Ratzeburger Markt entstand 1843 ein neues Rathaus. Dagegen sind die Palmschleuse in Lauenburg und die Alte Salzstraße in Mölln deutlich älter. Sie zeigen, welche Verkehrslandschaft das Herzogtum bereits besaß und während der dänischen Jahre weiter nutzte. Ein heute erhaltenes Gebäude beweist nicht allein durch sein Alter eine dänische Gründung.

Die persönliche Route im Buch verbindet solche unterschiedlichen Orte, ohne sie alle als Denkmäler eines einzigen Königs auszugeben. Der Weg führt unter anderem von Lauenburg und Mölln nach Ratzeburg. Wer dabei die zeitliche Schicht jedes Ortes prüft, sieht mehr als eine Reihe hübscher Altstädte.

Die sieben Stationen und ihre Einordnung stehen in Das vergessene dänische Herzogtum. Wie vorsichtig sichtbare Reste als historische Beweise gelesen werden müssen, zeigt auch unser Artikel zum Kirchenfund von Rungholt.

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