Hatten die Templer eigene Schiffe? Die belegte Seefahrt des Ordens

30. September 2026

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Stephan Graf Mueller

Hatten die Templer eigene Schiffe? Wer nach einer vollständigen mittelalterlichen Flottenliste sucht, wird keine finden. Dennoch erscheinen in erhaltenen Quellen einzelne benannte Schiffe, Hafenrechte und Verantwortliche für Überfahrten. Daraus ergibt sich ein anderes Bild als die Vorstellung einer ständig bereiten Kriegsflotte.

Elf Schiffsnamen sind keine Flottenliste

Das Buch Die Schattenflotte der Templer führt elf Schiffsnamen auf, die in der ausgewerteten Überlieferung über ungefähr sieben Jahrzehnte in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Orden stehen. Dazu gehören Templare, Bonne Aventure, La Rose und Sancta Maria de Bethlehem. Die Namen sind nicht gleichzeitig belegt. Auch sagt ein überlieferter Name für sich allein nichts Sicheres über den Eigentümer.

Ein Orden konnte ein Schiff besitzen, gemeinsam nutzen oder für eine bestimmte Fahrt chartern. Ein Templer, der an Bord die Verantwortung trug, musste deshalb nicht der Eigentümer des Schiffes sein. Der Historiker Alan J. Forey untersucht die erhaltenen Nachweise zur Seefahrt der Templer und unterscheidet ebenfalls zwischen eigenen Fahrzeugen und genutzten Handelsschiffen.

Wofür brauchten die Templer Schiffe?

Der Orden unterhielt Besitzungen in Europa und militärische Stützpunkte im östlichen Mittelmeer. Menschen, Nachrichten, Geld und Güter mussten zwischen diesen Räumen bewegt werden. Pilgerpassagen brachten Einnahmen; Pferde und Vorräte waren für die Kräfte im Osten wichtig. Nicht jeder Sack Getreide wurde von Europa aus verschifft: Güter konnten verkauft, verrechnet und anderswo neu beschafft werden. Trotzdem blieb Seetransport für das Netz des Ordens unverzichtbar.

Ein konkreter Hinweis sind die Passagierrechte in Marseille und Toulon im frühen 13. Jahrhundert. Für Marseille nennt das Buch eine Neuregelung von 1233: zwei zulässige Fahrten im Jahr mit einer Obergrenze pro Schiff. Das zeigt eine organisierte und regulierte Tätigkeit, keine frei erfundene Seemacht.

Warum die Eigentumsfrage offenbleibt

Viele Urkunden hielten nur fest, was für ein bestimmtes Geschäft nötig war: eine Passage, eine Genehmigung oder die Zuständigkeit eines Bruders. Sie wurden nicht als modernes Schiffsregister angelegt. Aus fehlenden Eigentumsangaben lässt sich daher weder ableiten, dass der Orden alle genannten Schiffe besaß, noch dass er keines besaß.

Die präzisere Antwort lautet: Die Templer verfügten nachweislich über maritime Handlungsmöglichkeiten und nutzten sowohl eigene als auch fremde Schiffe. Wie groß ihr Bestand zu einem bestimmten Zeitpunkt war, lässt sich aus den erhaltenen Namen nicht berechnen. Warum solche Unterschiede zwischen Quelle und Schlussfolgerung zählen, erläutert auch unser Beitrag über den Weg vom Archiv zum Sachbuch.

Die einzelnen Schiffe, Passagen und offenen Eigentumsfragen sind in Die Schattenflotte der Templer ausführlicher dargestellt.

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