Flannan Isles: Was die Schäden am Westanleger verraten

30. September 2026

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Stephan Graf Mueller

Als Joseph Moore am 26. Dezember 1900 den Leuchtturm auf Eilean Mòr betrat, waren die drei Wärter verschwunden. Die Station war aufgeräumt; draußen aber boten die beiden Landestellen ein unterschiedliches Bild. An der Ostseite war die Ausrüstung in Ordnung. Im Westen hatten Wasser und Gestein deutliche Schäden hinterlassen.

Was am Westanleger der Flannan Isles beschädigt war

Moore beschrieb verbogene oder fortgerissene Geländer und Leinen zwischen den Felsen. Der Superintendent Robert Muirhead untersuchte die Stelle wenige Tage später genauer. Eine Kiste mit Landeseilen war von ihrem erhöhten Standort verschwunden. Seile lagen tiefer an den Felsen und nahe beim Kran. Der Kran selbst stand jedoch noch und zeigte nach Muirheads Bericht keine Anzeichen einer kurz zuvor ausgeführten Arbeit.

Diese Unterscheidung ist wichtig: In einer frühen Vermutung sollten die Wärter versucht haben, den Kran zu sichern. Der vorgefundene Zustand stützt diesen konkreten Anlass nicht. Die Kiste mit den Seilen konnte dagegen einen Grund geben, an der Westseite nach dem Rechten zu sehen.

Eine starke Welle ist eine plausible Rekonstruktion

Muirhead hielt es für am wahrscheinlichsten, dass die Männer am Westanleger von einer außergewöhnlich großen Wassermasse erfasst wurden. Sein Bericht bei der Northern Lighthouse Board beschreibt die Schäden und seine Schlussfolgerung. Er sah nicht, wie der Unfall geschah. Wegen der See konnte er selbst nicht bis zum untersten Abschnitt der Anlage hinabsteigen.

Das beschädigte Gelände belegt die Kraft des Wassers. Es zeigt nicht, in welcher Reihenfolge die Männer dorthin gingen, warum alle drei den Turm verließen oder an welchem Punkt sie ins Meer gerieten. Muirheads Erklärung bleibt eine begründete Rekonstruktion, kein Augenzeugenbericht.

Was die Spur offenlässt

Wer den Fall allein als „unerklärliches Verschwinden“ erzählt, übersieht die konkrete Arbeitsstelle. Wer den Unfall als vollständig bewiesen schildert, geht über die Akten hinaus. Der Unterschied zwischen beiden Aussagen gehört zum Kern der Untersuchung. Auch unser Beitrag über maritime Quellenarbeit zeigt, weshalb ein plausibler Ablauf von einem gesicherten Befund getrennt werden muss.

Moores Brief, Muirheads Inspektionsbericht und die Grenzen der Rekonstruktion behandelt Das Rätsel der Flannan Isles ausführlich.

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