Der Fall der drei verschwundenen Leuchtturmwärter wird oft mit einem angeblichen letzten Logbuch erzählt: ein Sturm, ein weinender Wärter, gemeinsames Beten und ein rätselhafter Schlusssatz. Diese Folge wirkt wie ein unmittelbarer Bericht aus dem Turm. Gerade deshalb lohnt die Frage, woher die Sätze tatsächlich stammen.
Was über das Flannan-Isles-Logbuch bekannt ist
Die National Records of Scotland halten fest, dass das ursprüngliche Logbuch nicht zu den bei ihnen deponierten Unterlagen der Leuchtturmverwaltung gehört. Sein heutiger Verbleib ist ungeklärt. Daraus folgt weder, dass es vernichtet wurde, noch, dass die verbreiteten dramatischen Zitate echt sind.
Es gibt jedoch einen zeitgenössischen Kontrollpunkt: Superintendent Robert Muirhead berichtete nach seiner Untersuchung vom 8. Januar 1901 über die letzten regulären Einträge und die folgenden Beobachtungen, die auf einer Schiefertafel notiert wurden. Die in späteren Geschichten verbreitete Abfolge von Tränen, Gebet und unheimlichem letzten Satz erscheint in seinem Bericht nicht.
Warum häufige Wiederholung kein Beleg ist
Eine spätere Publikationsspur führt nach der im Buch dargestellten Recherche zu einem Artikel von 1929 in True Strange Stories. Das zugrunde liegende Heft wurde für die Buchfassung nicht anhand eines vollständigen Faksimiles geprüft. Deshalb lässt sich aus dieser Spur nicht behaupten, der Autor habe die Sätze erfunden oder sie seien dort erstmals gedruckt worden. Fest steht die kleinere, aber entscheidende Aussage: Für die berühmten dramatischen Einträge liegt kein gesicherter zeitgenössischer Nachweis vor.
Ein weiteres Motiv zeigt, wie solche Bilder entstehen. Die Geschichte vom verlassenen Essen erschien bereits in frühen Zeitungen; Wilfrid Wilson Gibson verdichtete sie 1911 in einem Gedicht. Moore fand nach den überlieferten Unterlagen dagegen eine aufgeräumte Küche. Eine literarische Szene darf nicht nachträglich als Fundprotokoll gelesen werden.
Die offene Frage bleibt offen
Die drei Männer verschwanden tatsächlich. Die beschädigte Westseite der Insel bietet eine plausible Erklärung für einen Unfall. Ihre letzten Worte und Handlungen sind nicht überliefert. Die Trennung von Dokument und späterer Erzählung ist auch Thema unseres Beitrags über die Arbeit vom Archiv zum Sachbuch.
Die Entstehung der Logbuchgeschichte und die zeitgenössischen Akten behandelt Das Rätsel der Flannan Isles eingehender.