Am 22. November 1941 verlor die Besatzung des deutschen Hilfskreuzers Atlantis ihr Schiff im Südatlantik. Die Männer kamen in offene Boote und wurden von U 126 sowie später vom Versorgungsschiff Python aufgenommen. Neun Tage danach mussten viele von ihnen erneut ein sinkendes Schiff verlassen. Der Titel Zweimal schiffbrüchig beschreibt eine Abfolge, nicht zwei voneinander getrennte Geschichten.
Die erste Rettung nach der Atlantis
Die Atlantis traf nordwestlich von Ascension U 126, um das U-Boot zu versorgen. Während der Übergabe näherte sich der britische Kreuzer Devonshire. Ein Versorgungstreffen bindet Fahrzeuge durch Schläuche, Boote und Lasten aneinander; der Rückzug ist nicht so einfach wie auf einer freien Fahrt. U 126 tauchte, während die Atlantis dem stärker bewaffneten Kreuzer gegenüberstand.
Nach dem Untergang blieb U 126 in der Nähe der Schiffbrüchigen. Die Männer gelangten zunächst in Boote, dann zum deutschen Versorger Python. Auf dessen Deck endete die unmittelbare Gefahr des offenen Meeres. Doch die Python war selbst ein Kriegsschiffversorger im Südatlantik und sollte weitere U-Boote betreuen.
Am 1. Dezember ging auch die Python verloren
Südlich von St. Helena versorgte die Python U 68 und UA mit Brennstoff, Proviant und Torpedos. Das Buch rekonstruiert die gestaffelten Arbeiten anhand der Kriegstagebücher beider U-Boote. Als ein weiterer britischer Kreuzer auftauchte, befanden sich die Boote mitten in der Übergabe. Die Python ging verloren; die Männer der Atlantis und der Python mussten wieder auf dem Meer verteilt werden.
Diesmal standen nicht nur einige Boote für eine kurze Aufnahme bereit. U 68 und UA nahmen Menschen an Bord und schleppten jeweils fünf Rettungsboote. Der Verband musste langsam fahren, die Schleppleinen halten und die Versorgung der vielen zusätzlichen Männer organisieren. Was am 22. November als Rettung begonnen hatte, wurde zu einer mehrtägigen Transportaufgabe ohne nahe Küste.
Die Rettung war erst mit der Weiterfahrt gelöst
Weitere U-Boote übernahmen Schiffbrüchige. Am Morgen des 6. Dezember waren die letzten Kutter geräumt; die Überlebenden befanden sich auf U 68, UA, U 124 und U 129. Die Boote konnten schneller nach Norden laufen, waren aber mit Menschen belegt, für die sie nicht gebaut waren. Die Zahl auf einem einzelnen U-Boot zu einem bestimmten Zeitpunkt ist dabei nicht mit der Gesamtzahl aller Geretteten gleichzusetzen.
Die tageweise Rekonstruktion aus den Kriegstagebüchern und die Perspektive der Männer in den Booten bietet Zweimal schiffbrüchig. Warum solche Bordaufzeichnungen genau gelesen werden müssen, erläutert auch unser Beitrag zur maritimen Quellenarbeit.
1 Kommentar zu „Atlantis und Python: Warum die Schiffbrüchigen zweimal gerettet werden mussten“