Warum sank die Pamir am 21. September 1957? Die kurze Antwort „wegen eines Hurrikans“ beschreibt die Gewalt des Wetters, aber nicht alle Bedingungen an Bord. Das Lübecker Seeamt untersuchte nach der Katastrophe Ladung, Stabilität, Segelführung und möglichen Wassereinbruch. Sein Spruch nannte mehrere wesentliche Ursachen.
Der Hurrikan traf ein beladenes Segelschiff
Die Viermastbark befand sich mit Gerste auf der Heimreise von Buenos Aires. Im Hurrikan Carrie gerieten Rigg und Segel unter enorme Belastung. Segel zerrissen oder mussten gelöst werden. Zugleich nahm die Schlagseite zu. Ein Sturm drückt auf ein Schiff; ob es sich wieder aufrichtet, hängt aber auch davon ab, wie Gewicht und Auftrieb im Rumpf verteilt sind.
Warum die Ladung für die Pamir entscheidend war
Der größte Teil der Gerste lag lose im Laderaum; ein kleinerer Teil war in Säcken darüber gestaut. Bei großer Krängung konnte sich die Schüttung verlagern. Wenn Masse zur tieferen Seite rutscht, verschiebt sich auch der Schwerpunkt. Das erschwert dem Schiff das Aufrichten. Sacklagen machten das lose Korn nach der Darstellung des Buchs nicht zu einem starren Block.
Das Seeamt befasste sich außerdem mit einem nicht mit Wasser gefluteten Tieftank, mit der Segelführung und dem Schutz der Aufbauten gegen eindringendes Wasser. Der NDR fasst den Untergang und die Diskussion um die Ladung anhand von Berichten und Erinnerungen zusammen.
Was sich nicht exakt zurückrechnen lässt
Das Wrack stand der Untersuchung nicht zur Verfügung. Überlebende konnten jeweils nur ihren Teil des Geschehens beobachten. Wer Wasser in einem Raum sah, wusste damit noch nicht sicher, wo es zuerst eingedrungen war. Wie viel Winddruck, verlagerte Gerste und Wasser im Schiff in den letzten Stunden jeweils beitrugen, ließ sich nicht auf eine genaue Prozentzahl reduzieren.
Der Seeamtsspruch vom 20. Januar 1958 benannte unzureichend gesicherte Ladung, den Tieftank, die Segelführung und den Schutz der Aufbauten als wesentliche Ursachen. Er war eine amtliche Beurteilung der zugänglichen Belege, kein Film der letzten Minuten. Die Rekonstruktion der Fahrt und der Untersuchung bietet Pamir – Chronik einer Schiffskatastrophe. Wie wir maritime Zeugnisse gegeneinander lesen, erläutert auch unser Beitrag zur Quellenarbeit.