Warum U 68 einen Tanker ziehen ließ: Rettungsboote im Schlepp

30. September 2026

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Stephan Graf Mueller

Ein U-Boot auf Feindfahrt sieht einen Tanker und greift nicht an: Für den 2. Dezember 1941 ist diese Entscheidung im Kriegstagebuch von U 68 dokumentiert. Hinter dem Boot hingen Rettungskutter voller Männer, die nach dem Untergang der Python erneut schiffbrüchig geworden waren.

U 68 mit Rettungsbooten im Schlepp

In der Nacht zum 2. Dezember verließen U 68 und UA das Seegebiet südlich von St. Helena. Nach der Rekonstruktion im Buch Zweimal schiffbrüchig zog jedes U-Boot fünf Kutter. Weitere Menschen befanden sich an Bord. Zu den Schiffbrüchigen gehörten Besatzungsmitglieder des Versorgers Python und Männer des Hilfskreuzers Atlantis, der bereits am 22. November verloren gegangen war.

Das Kriegstagebuch von U 68 verzeichnet für Mitternacht Kurs 330 Grad und sieben Knoten. Bei ruhiger See war der Schleppzug zunächst möglich. Seine langsamen, offenen Boote bestimmten aber, wie der Verband auf eine neue Gefahr reagieren konnte. Ein U-Boot mit Kuttern an der Leine konnte nicht einfach einen Angriff fahren und gleichzeitig die Menschen im Wasserbereich schützen.

Der Tanker am Morgen des 2. Dezember

Um 9.55 Uhr sichtete U 68 laut seinem Kriegstagebuch einen großen Tanker. Kommandant Karl-Friedrich Merten hätte bei einer gewöhnlichen Unternehmung eine günstige Angriffsposition suchen können. Dafür hätte er jedoch den Schleppzug lösen müssen. Er änderte stattdessen den Kurs, um möglichst ungesehen zu bleiben. Um 10.50 Uhr war der Tanker außer Sicht.

Das Buch gibt Mertens Begründung wieder: Nach dem Angriff auf die Python war mit feindlicher Aufklärung zu rechnen. Die Männer in den offenen Kuttern wären bei einem abgeworfenen Schleppzug besonders gefährdet gewesen. Die Entscheidung ist keine nachträglich erfundene Szene heroischer Selbstlosigkeit; der Verzicht auf die Gelegenheit steht in der Bordaufzeichnung. Was Merten darüber hinaus empfand, lässt sich daraus nicht sicher ableiten.

Ein Rettungsverband braucht einen Plan

Am Nachmittag wurden Männer zwischen Booten umgesetzt. Die U-Boot-Kombüsen schickten warme Mahlzeiten zu den Kuttern. Der Befehlshaber der U-Boote fragte nach Brennstoff und danach, wie lange die Fahrzeuge die Schiffbrüchigen versorgen konnten. Das eigentliche Problem reichte also weit über den Moment mit dem Tanker hinaus: Mehrere hundert Menschen mussten über den Atlantik weitergebracht werden.

Die Kriegstagebuchfolge, die Schlepptage und die spätere Verteilung auf weitere U-Boote behandelt Zweimal schiffbrüchig ausführlich. Einen anderen Blick auf die Grenzen des Lebens in einem überfüllten U-Boot gibt unser Beitrag zur Luftversorgung auf deutschen U-Booten.

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